Eine Oberfläche aus Bonbonpapier

Posted: Oktober 10, 2010 in Journalismus, Technik

Die High-Dynamic-Range Technologie erklimmt die nächste Stufe. Eine Produktionsfirma aus San Francisco hat das erste HDR-Video vorgestellt.

Mit dem Aufkommen der digitalen Photographie begann vor einigen Jahren der Siegeszug von HDR-Aufnahmen. Das Prinzip ist schnell erklärt: zwei Aufnahmen desselben Motivs werden unterschiedlich belichtet. Eines leicht darüber, eines leicht darunter. Danach werden beide Aufnahmen überlagert. Durch den erhöhten Umfang (Range) der Belichtung wird das daraus entstandene Bild wesentlich detailreicher und bekommt einen sehr individuellen Look. Diese Technik ist mittlerweile nicht nur in Photoshop als festes Plug-In verbaut, sogar das iPhone 4 nutzt diese Technik, um Photos aufzumotzen. Je nach verwendetem Algorithmus bei der Überlagerung entstehen so fast surreale Effekte.

Der Kater des Autors in HDR - unglaublicher Kontrastumfang

Bisher war diese Technik allerdings der Photographie vorbehalten. Schließlich mussten zwei Aufnahmen hintereinander geschossen werden. Im Zeitraum dazwischen durfte sich im Bild möglichst wenig bewegen, sonst entstanden unerwünschte Artefakte. Die amerikanische Produktionsfirma Soviet Montage hat nun erstmals eine Technik entwickelt HDR für bewegte Bilder zu realisieren. Bisher existierten höchstens Zeitrafferaufnahmen in HDR, bei denen jedes Pärchen von Einzelaufnahmen zuerst überlagert und dann aneinander gereiht wurde. HDR in Echtzeit war nicht möglich.

Oben: halbdurchlässiger Spiegel für zwei getrennte Kameras für 3d-Aufnahmen

Was die Macher verraten: es wurden für die Aufnahme zwei Canon 5D Spiegelreflexkameras mit HD-Videofunktion verwendet. Wie genau will die Produktionsfirma nicht preisgeben. Um jedoch mit zwei Kameras gleichzeitig ein identisches Bild aufzunehmen kann angenommen werden, dass eine ähnliche Technik eingesetzt wurde, wie sie derzeit auch für 3D-Aufnahmen verwendet wird. Beide Kameras werden in einem 90Grad-Winkel zueinander montiert, dazwischen ein halbdurchlässiger Spiegel. Die Bearbeitungssoftware für das Video dürfte allerdings extra geschrieben worden sein.

Die Möglichkeiten, die aus der neuen Technik für Filmemacher erwachsen sind noch gar nicht abzusehen. Vor allem durch die immer bessere Qualität der Camcorder und Handys wird es für Filmemacher zunehmend schwerer, sich mit einem filmischen ‘Look’ von Amateuren abzusetzen. HDR-Videotechnik könnte hier einen wesentlichen Beitrag leisten, da die Überlagerung der Bilder unendlich verschiedene Gestaltungsspielräume ermöglicht und auf bestimmte Algorithmen eventuell sogar Patente angemeldet werden könnten. Eine Bildsprache könnte so ein eingetragenes Markenzeichen eines Regisseurs oder Kameramannes werden, so wie heute Ferrari-rot oder Telekom-magenta als Farben geschützt sind.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die technische Entwicklung im Filmbereich ist mit computergenerierten Specialeffects nicht etwa an ihr Ende gelangt – sie war erst der Startschuss.

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